Dein Pferd wird nicht zu einem besseren Dressurpferd, nur weil du jeden Tag in der Reithalle Lektionen trainierst. Und du wirst deine Springtechnik nicht verbessern, wenn du nur das Springen übst. Ganz im Gegenteil! Einseitiges Pferdetraining kann nicht nur zu Verletzungen des Pferdes führen, sondern auch dazu, dass das Pferd die Motivation verliert und du keine Fortschritte mehr machst.

Investiere stattdessen Zeit in ein abwechslungsreiches Training und mache dein Pferd zu einem gut trainierten Athleten, der dann auch in seiner Spezialdisziplin einen Sprung nach vorne machen kann.

Vorteile von abwechslungsreichem Pferdetraining

Die Idee, das Training zu variieren, begann bei den menschlichen Sportlern. Eine Studie über Läufer ergab, dass sich zehn Prozent der aktiven Läufer jedes Jahr verletzten. Die Läufer, die ihr Training mit anderen Aktivitäten wie Radfahren, Gewichtheben, Schwimmen oder Ähnlichem variierten, verletzten sich seltener und verbesserten auch ihre Laufleistungen.

Heutzutage ist es unter Spitzensportlern üblich, ihre Spezialdisziplin mit einer oder zwei anderen Disziplinen zu kombinieren, um ein umfassenderes Training zu erhalten.

Es ist schwer zu sagen, wie viele Pferde jedes Jahr durch falsches und einseitiges Training verletzt werden, aber die Zahlen in den Statistiken der Versicherungsgesellschaften sprechen für sich. Sicherlich könnten einige Verletzungen durch ein abwechslungsreicheres und besser geplantes Pferdetraining vermieden werden.

Wie kann man das Pferdetraining variieren?

Um eine vielseitige Ausbildung des Pferdes zu erreichen, kannst du eine Vielzahl von Aktivitäten einsetzen, wie z.B.:

  • Longieren
  • Gymnastizierende Stangenarbeit
  • Springen
  • Spaziergänge
  • Klettertraining
  • Rennbahntraining

Wenn du dich auf eine Sache spezialisierst, z. B. Dressur oder Springen, besteht - abgesehen von der Verletzungsgefahr - die Gefahr, dass du die Fähigkeiten des Pferdes nur in einem Bereich entwickelst. Außerdem werden nur die Muskeln aufgebaut, die das Pferd für die jeweilige Arbeit benötigt, anstatt alle Bereiche zu trainieren.

Mit dem Training des ganzen Pferdes beginnen

Der Reiter kann jederzeit mit einem Trainingsprogramm für abwechslungsreiches Training beginnen. Für ein Turnierpferd kann es jedoch ratsam sein, das Pferd nicht wenige Tage vor einem Turnier mit einem neuen Trainingsprogramm durcheinander zu bringen.

3 Fokuspunkte im Pferdetraining

Beim Aufbau eines abwechslungsreichen Trainingsprogramms liegt der Schwerpunkt auf drei Bereichen.

  • Muskeln, Herz und Lunge trainieren
  • Aufbau der Belastbarkeit des Skeletts und der Sehnen
  • Das Pferd durchlässiger und lockerer machen.

Das Trainingsprogramm basiert auf diesen drei Bereichen und jede Trainingseinheit sollte darauf abzielen, mindestens einen der Schwerpunkte zu erfüllen.

Muskeln und Kondition bauen sich recht schnell auf, und die Pferde behalten ihre Kondition und Kraft etwa einen Monat lang ohne Training. Der beste Weg, Muskeln, Herz und Lunge zu trainieren, ist das Klettern und die Arbeit im schnellen Galopp. Setze auf Intervalltraining statt auf lange, schwere Aufgaben. Klettere oder galoppiere kurze Zeit, unterbrochen von Schrittpausen zur Erholung.

Trainiere die Sehnen und Knochen deines Pferdes

Sehnen und Knochen brauchen mehr als zwei Jahre konsequenten Trainings, um ihre volle Stärke zu erreichen. Studien an Arbeitspferden haben gezeigt, dass die Temperatur der Sehnen während des Trainings über 44 Grad erreichen kann, und es ist nicht ungewöhnlich, dass Reitpferde zelluläre Veränderungen in den Sehnenfasern entwickeln. Bleiben diese Veränderungen unbehandelt, können sie zu Verletzungen führen.

Um die Sehnen zu stärken, ist es wichtig, auf verschiedenen Untergründen zu arbeiten. Die Arbeit auf einem harten Untergrund, wie z.B. einer asphaltierten Straße, macht die Sehnen stark, aber auch ein wenig "starr". Weiche Oberflächen machen die Sehnen elastisch, und das Arbeiten auf leicht unebenen Oberflächen bedeutet, dass die Sehnen lernen, sich an unterschiedliche Belastungen anzupassen.

Ein abwechslungsreicher Untergrund ist auch gut für die Hufe des Pferdes. Wenn du mit deinem Pferd auf hartem Boden arbeitest, musst du ein wenig vorsichtig sein und darfst nicht zu lange zu schnell reiten. Mache lange Spaziergänge im Schritt und kurze Trabtrainings. Am besten ist es, wenn du die Bodenbeschaffenheit während ein und derselben Trainingseinheit variieren kannst.

Variiere das Pferdetraining

Dressur, Stangenarbeit, Longieren oder Springen helfen, das Pferd zu lösen und Gehorsam und Durchlässigkeit zu trainieren. Denke daran, auch diese Art der Arbeit zu variieren.

Tipps für mehr Abwechslung im Pferdetraining:

  • Erhöhe nicht das Reitpensum, sondern variiere die bestehende Arbeit.
  • Lege einen Tag pro Woche zur Erholung ein, was nicht Boxenruhe bedeutet. Reite stattdessen aus. Plane dein Training auch so, dass auf eine anstrengende Einheit eine leichtere folgt.
  • Konzentriere dich immer nur auf eine Sache.
  • Gib deinem Pferd immer wieder neue Aufgaben, um es zu motivieren.
  • Setze dir Ziele für dein Pferdetraining und führe ein Trainingstagebuch.

Wochenplan für abwechslungsreiches Pferdetraining - ein Beispiel:

So könnte ein Wochenplan für ein abwechslungsreiches Pferdetraining aussehen:

Tag 1:

Dressur, ca. 30 Minuten effektive Arbeit, einschließlich Lösungsphase.

Tag 2:

Reiten im Freien mit zwei Einheiten Kletter-/Galopparbeit.

Tag 3:

Longieren oder Laufenlassen

Tag 4:

Langer Schrittausritt auf abwechslungsreichem Gelände

Tag 5:

Cavaletti-Arbeit oder Springen, effektive Arbeit für 30 Minuten.

Tag 6:

Reiten im Freien auf abwechslungsreichem Gelände im Schritt und Trab.

Tag 7:

Ruhetag

Wichtig zu beachten beim Pferdetraining

Pferde sind Individuen mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Voraussetzungen. Daher muss das Training an dein Pferd und an die Ziele, die du mit deinem Training erreichen möchtest, angepasst werden. Lasse dich von einem Trainer oder einer anderen sachkundigen Person beraten, wenn du nicht sicher bist, was für dich und dein Pferd am besten ist.